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Das Afghanistan Debakel und “Weltpolitik auf Kneipenschläger-Niveau”

Eingekreiste Einkreiser

von Redaktion @ 14:25. abgelegt unter Pakistan, Deutschland, USA, Iran, China, Krieg, Afghanistan, NATO
SCO
SCO Members & Observers
GNU-FDL Wikipedia: SCO

Die Angriffskriege gegen Afghanistan und den Irak dienten den USA dazu, sich die öl- und gasreichen Regionen des nahen und mittleren Ostens Untertan zu machen. Erwünscht war dabei natürlich auch, den Iran, der genau zwischen diesen beiden Ländern liegt, in die Knie zu zwingen. Gewonnene Kriege gegen Afghanistan und Irak versprachen die für die Angreifer erfreuliche Perspektive, das militärisch mit Abstand stärkste us-unfreundliche Land der Region, den Iran, militärisch einzukreisen zu können. Hinter diesem Gedanken standen zwei der mächtigsten Interessengruppen in den USA: die Lobby des Staates Israel und die Lobby der Energiewirtschaft. Und natürlich stand auch die Rüstungslobby hinter diesen Kriegsplänen, denn für die Rüstungsindustrie ist jeder Krieg gut für das Geschäft. Die politisch-strategische Kriegsplanung der USA scheint die Israel-Lobby übernommen zu haben. Mit der Clean-Break-Studie hat die IASPS das Framework für den Angriffskrieg gegen den Irak und mit der Afghan-Vortex-Studie dann auch das Framework für den Krieg gegen Afghanistan geliefert.

The possible war
Der mögliche Krieg
Repubblica 2005

Zuerst sah es auch so aus, als ob alles nach Plan liefe und die USA nach einfachen Siegen gegen Afghanistan und den Irak in eine günstige Angriffsposition gegen den Iran käme. Der Eindruck entstand, dass die USA ihre Kriege gewonnen hätten. Ramtanu Maitra hat im Februar 2005 in der Asia Times erklärt, dass die USA den Iran mit ihren Militärbasen eingekreist haben, im Mai 2005 hat die italienische Zeitung Repubblica dazu eine anschauliche Grafik präsentiert und Anfang 2006 hat Erhard Crome das Szenario eines Angriffskrieges gegen den Iran auf deutsch dargelegt. Die Chance zum Angriff auf den Iran sah auf der Karte bemerkenswert günstig aus, denn US-Truppen sind praktisch rund um den Iran stationiert: im Irak, in der Türkei, in Afghanistan, in Pakistan, in Katar, in Bahrein und obendrein kann die US-Flotte die Meereswege zum Iran kontrollieren. Das alles sah vielleicht auf den ersten Blick nach einem lange vorbereiteten und detailliert ausgeklügelten Plan aus, doch das war es nicht.

Let's Bomb Iran!
Let’s Bomb Iran!

Die Video-Parodie “Let’s Bomb Iran!” trifft die profane Verbrecherpolitik der Neocons eher. Tatsächlich haben die Neocons um George W. Bush nie viel geplant und auch nicht so weit gedacht. Josef Joffe erklärte nach Gesprächen mit seinen Kriegsverbrecherkumpels in der Bush-Administration, dass die Reihenfolge der gestarteten Angriffskriege sich einfach zufällig so ergeben habe. Die USA haben einfach die Länder des nahen und mittleren Ostens angegriffen, die sich militärisch nicht ausreichend verteidigen konnten und diplomatisch am besten für einen Überfall vorbereitet waren. Die Israel-Lobby hätte zwar lieber gehabt, dass die USA den Iran angreifen, aber das war den US-Machthabern zu schwierig. Die USA haben demnach nach 911 zur imperialen Selbstbestätigung gehandelt nach der Devise “Ein Krieg muss her, egal gegen wen, und das bitte schnell”. “Opportunities” zum Krieg nutzen, war die Devise. Der Ausdruck “Weltpolitik auf Kneipenschläger-Niveau” trifft diesen Politikstil wohl ganz gut. Um die Kriegspoltik der Neocons zu erklären, wäre eine psychiatrische Analyse zielführender als die zahlreichen Versuche einer tiefgehenden politischen Analyse.

Obwohl aus irrationalen Motiven gestartet, sind die Folgen der Angriffskriege der Neocons nichtsdestotrotz natürlich ganz real und rational zu erklären. Das gilt nicht nur bezüglich dessen, dass die Kriege der Neocons wie die Kriegspolitik anderer geisteskranker Führer zuvor Millionen von Tote, Verstümmelte und Vertriebene produziert haben, sondern auch bezogen darauf, dass die Kriege der Neocons gravierende Auswirkungen auf die Machtgeometrie der ganzen Welt haben. Wie die Kriege der Neocons ausgegangen sind, ist der interessierten Öffentlichkeit längst bekannt. Der mit Pauken und Trompeten verlorene Angriffskrieg gegen den Irak hat dazu geführt, dass der Iran nun gewaltigen Einfluss im Irak hat und aus dem Irak ein enger Verbündeter des Iran geworden ist. Und bei Afghanistan zeigt es sich inzwischen immer deutlicher, dass dieses zentralasiatische Land als Aufmarschgebiet für die US-Armee in Form eines stationären Flugzeugträgers für die USA völlig ungeeignet ist, da Afghanistan ein Binnenstaat ist, der auf gute Beziehungen zu seinen direkten Nachbarn, also Pakistan, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und China angewiesen ist. Die Idee der Neocons, durch Pakistan hindurch Afghanistan besetzten zu wollen, hat dazu geführt, dass die USA, was ihren Drogenkrieg in Afghanistan angeht, völlig von Pakistan abhängig sind und das Transitland Pakistan den USA die Bedingungen ihres für die USA unverzichtbaren Wohlwollens nach Belieben diktieren kann.

So allmählich kommt auch in die deutsche Hofberichterstattung nicht mehr umhin, ihren Konsumenten zu erklären, wie die Kriege der Neocons ausgegangen sind. Ulrike Putz berichtet gerade im Spiegel ganz überrascht, dass über die Bildung der neuen Regierung des Irak im Iran entschieden wird. Und Jochen Buchsteiner erklärt den erstaunten Lesern der FAZ gerade, dass der amerikanische Marionettenpräsident Hamid Karzai vom Westen abrückt und sich stattdessen der geografischen Lage seines Landes entsprechend mehr an seinen Nachbarn China und Iran orierentiert.

Die ganze bittere Wahrheit bezüglich des Eroberungsfeldzuges der NATO in Afghanistan verschweigen die Medien ihren Lesern jedoch noch. Zwar wird gerade berichtet, dass es in Pakistan derzeit eine einschneidende Verfassungsänderung gibt, doch die politischen Konsequenzen und ihre Bedeutung für die Besatzungstruppen in Afghanistan werden nicht weiter erörtert. Die US-Imperialisten und die von ihnen gestützten Marionetenregimes sind bei der pakistanischen Bevölkerung in höchstem Maße unbeliebt und mehr Macht für das Parlament bedeutet, dass sich dem Willen der Bevölkerung auch außenpolitisch mehr Durchschlagskraft zukommen wird. Ganz weggelassen wurde in den deutschen Medien bisher die Nachricht, dass der pakistanische Präsident vorgestern nochmals lautstark angekündigt hat, sich um eine Vollmitgliedschaft Pakistans in der Shanghai Cooperation Organization (SCO) zu bemühen. Pakistan ist, obgleich es schon seit einiger Zeit Beobachterstatus in der SCO hat, von allen Nachbarstaaten Afghanistans der einzige amerikanische Verbündete. Und dieser Verbündete hat genau wie der Iran kürzlich verkündet, er wolle sich hoffnungsvoll um eine Vollmitgliedschaft in dem wichtigsten der NATO und den Weltherrschaftsträumen der USA in Zentralasien entgegengerichteten von China und Russland geführten Militär- und Wirtschaftsbündnis der Welt bemühen.

Afghanistan und die SCO
Afghanistan und die SCO
GNU-FDL Wikipedia: SCO

Ein simpler Blick auf die Landkarte zeigt, was der beabsichtigte Beitritt Pakistans zur SCO für den Binnenstaat Afghanistan und die Besatzungstruppen in Afghanistan bedeutet. In dunkelgrün sind auf dieser Landkarte von Afghanistan und seiner Umgebung Vollmitglieder der SCO zu sehen und die beiden hellgrünen Länder im Südwesten und Osten Afghanistans sind die SCO-Beitrittsaspiranten Iran und Pakistan. Im Norden gibt es mit Turkmenistan zwar noch ein afghanisches Nachbarland, dass nicht Vollmitglied der SCO ist oder die Vollmitgliedschaft anstrebt, doch auch die zurückhaltende turkmenische Außenpolitik ist ausgesprochen russland- und chinafreundlich und die Gasreserven des Landes sind durch dicke Pipelines traditionell mit Russland und seit kurzem auch mit China verbunden.

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http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/04/03/eingekreiste-einkreiser/

07.12.2010 / Ausland / Seite 6Inhalt

Afghanen haben den Krieg satt

Umfrage am Hindukusch: Ansehen des Westens sinkt weiter. Zustimmung zu Anschlägen auf NATO-Truppen

Neun Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan hat einer Umfrage zufolge das Ansehen des Westens in der Bevölkerung ein Allzeittief erreicht. Zwei Drittel der Afghanen stellen den ausländischen Truppen ein negatives Zeugnis aus, wie aus einer repräsentativen Erhebung von ARD, ABC, BBC und der Washington Post hervorgeht. Befragt wurden 1691 Menschen in allen 34 Provinzen des Landes. 

Besonders groß ist danach der Sympathieverlust der Deutschen im Nordosten des Landes, dem Einsatzgebiet der Bundeswehr. Deutschland habe sein traditionell gutes Ansehen und seinen Vertrauensvorschuß eingebüßt, so ein Ergebnis der demoskopischen Untersuchung. Hatten im Sommer 2007 noch 75 Prozent der Afghanen im Nordosten ein positives Bild von Deutschland, so ist es heute mit 46 Prozent erstmals nur noch eine Minderheit.

Vier von zehn Befragten dort sind der Ansicht, die NATO nehme immer weniger Rücksicht auf zivile Opfer und vernachlässige den zivilen Aufbau. Wenig positiv ist auch das Ergebnis, daß die Zahl derer, die Anschläge auf NATO-Einheiten befürworten, im Nordosten auf ein Allzeithoch von 39 Prozent gestiegen ist. Damit liegt dieser Wert deutlich über dem ebenfalls gestiegenen landesweiten Anteil (plus 19 auf 27 Prozent). »Deutschland wird kaum noch als Verbündeter der Bevölkerung, sondern fast nur noch als ausländische Kriegspartei wahrgenommen«, sagte Arnd Henze, der als stellvertretender Auslandschef des WDR die Umfrage betreut hat.

Erstmals sprechen mehr Afghanen im Gesamturteil dem Einsatz der deutschen Truppen eine negative Rolle (28 Prozent) als eine positive Rolle (25 Prozent) im Lande zu.

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