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Israels QME – ein Problem für den Frieden im nahen Osten

20. Dezember 2010

Israels QME – ein Problem für den Frieden im nahen Osten

von Redaktion @ 11:03. abgelegt unter Außenpolitik, USA, Israel

(Nach der Veröffentlichung dieses Artikels kam es außer zu wütenden Spam-Attacken von “Freunden Israels” auch wieder umgehend zu einer DDoS-Attacke auf den Parteibuch-Server. Eine Kopie dieses Artikels findet sich nun hier gespiegelt bei WordPress.com)

Die israelische Militärdoktrin besteht seit über einem halben Jahrhundert darin, sämtlichen anderen Mächten der Region militärisch immer deutlich überlegen sein zu müssen. Da eine quantitive Überlegenheit in Bezug auf Personal und Landfläche nicht gegeben ist, sondern das Land in Bezug auf Territorium und Bevölkerung im Vergleich zu einigen anderen Staaten der Region eher klein ist, und die Umgebung Israel hasse, muss Israel, dieser Militärdoktrin folgend, stets einen qualitativen militärischen Vorsprung haben.

Diese israelische Militärdoktrin nennt sich auf englisch “Qualitative Military Edge”, abgekürzt QME, was auf deutsch in etwa “qualitativer militärischer Vorsprung” bedeutet. Diese Dotrin betrifft im Prinzip alle Arten von Waffen, und findet beispielsweise ihren Niederschlag darin, dass israelische Kampfflugzeuge besondere Radarsysteme bekommen, Luft-Luft-Raketen eine größere Reicheite besitzen, Israel stets die modernsten US-Kampfflugzeuge hat, Israel mit allen Mitteln zu verhindern trachtet, dass Nachbarländer ebenbürtige Waffen bekommen und Israel Atomwaffen hat, während allen anderen Ländern der Region schon nukleare Fähigkeiten mit allen Mitteln verweigert werden.

Im Jahre 2008, kurz vor dem Abtritt der Bush-Administration, wurde in den USA ein in der Öffentlichkeit wenig bekanntes Gesetz mit dem irreführenden Namen “Naval Vessel Transfer Act of 2008” verabschiedet, was jeden US-Bürger einschließlich des Präsidenten, darauf verpflichtet, jeglichen Waffenexport in den nahen Osten zu unterlassen, der die Überlegenheit des israelischen Militärs gefährden könnte. Israels QME wird darin wie folgt definiert:

In diesem Unterabschnitt bedeutet der Begriff “qualitativer militärischer Vorsprung” die Fähigkeit zur Bekämpfung und zum Besiegen jeder glaubwürdigen konventionellen militärischen Bedrohung von einzelnen Staaten, möglichen Koalitionen von Staaten oder von nicht-staatlichen Akteuren, bei gleichzeitig minimalen eigenen Schäden und Verlusten, durch den Einsatz von überlegenen militärischen Mitteln, die in ausreichender Menge besessen werden, einschließlich Waffen-, Kommando-, Kontroll-, Kommunikations-, Geheimdienst-, Überwachungs- und Aufklärungs-Fähigkeiten, die in ihren technischen Eigenschaften denen von anderen einzenen oder möglichen Koalitionen von Staaten oder nichtstaatlichen Akteure überlegen sind.”

Eine gesetzlich fixierte Doktrin, stets allen direkten und indirekten Nachbarn nicht etwa nur militärisch ebenbürtig, sondern überlegen sein zu müssen, ist bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist, dass sich die USA gesetzlich dazu verpflichtet haben, für die militärische Überlegenheit eines fremden Landes über seine Nachbarländer zu sorgen, und über die israelische QME-Doktrin und ihre weitereichenden Implikationen öffentlich nur sehr wenig diskutiert wird. Die Diskussion der israelischen QME-Doktrin ist auch für Deutschland sehr relevant, denn auch Deutschand unterstützt den israelischen Qualitative Military Edge, wie nicht zuletzt das deutsche Milliardengeschenk von Atom-U-Booten an Israel zeigt.

Wie aus den von Wikileaks veröffentlichten Cables hervorgeht, ist Israels QME hinter verschlossenen Türen allerdings häufig Gesprächsthema zwischen Israel und den USA, allerdings nicht in der Form, ob Israels QME-Doktrin sinnvoll ist, sondern entweder als pauschale Zusicherung der Unterstützung der QME-Doktrin, oder in der Form, dass diskutiert wird, ob diese oder jene politische Handlung wie beispielsweise ein Waffenverkauf, Technologietransfer oder Atomprogramm das israelische QME gefährdet.

Im berüchtigten “Mossad-Cable” #07TELAVIV2652 berichtete beispielsweise US-Botschafter in Tel-Aviv, Richard H. Jones, dass US-Under Secretary (R. Nicholas) Burns im August 2007 Mossad-Chef Meir Dagan versicherte, die USA blieben dem israelischen QME verpflichtet. Anfang Juni 2009 berichtete der neue US-Botschafter in Tel-Aviv, James Cunningham, in Cable #09TELAVIV1177 der israelische Kriegsminister Ehud Barak habe in einem Gespräch mit einer Senatsdelegation unter Leitung von Senator Casey die wesentliche Rolle der US-Regierung dabei beschrieben, Israels QME zu bewahren, und das besonders angesichts von Iran, Hizballah und Hamas.

Das Cable von Botschafter Cunningham vom 30. Juli 2009, #09TELAVIV1688, zeigt dann im Detail, wie das Bewahren des israelischen QME von der US-Regierung und Israel im Detail gehandhabt wird. Der US-Assistant Secretary for Political-Military Affairs Andrew Shapiro ist nach Israel gereist, und hat dort mit Vertretern der israelischen Regierung, nämlich unter anderem mit MOD Political-Military Director Amos Gilad, Defense Export Control Directorate Chief Eli Pincu, J5 Strategic Division Chief Brigadier General Yossi Heymann, MFA Director General Yossi Gal und MFA’s Deputy Director General for Strategic Affairs Alon Bar, den geheimen QME-Report der US-Regierung an den US-Congress sowie geplante amerikanische Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien und Libanon besprochen.

Bemerkenswert ist erst einmal die Tatsache, dass die US-Regierung überhaupt jährlich einen geheimen QME-Report für den Congress erstellt. Aufschlussreich ist dann auch, dass Andrew Shapiro Israel eingeladen hat, Kommentare zum geheimen QME-Report abzugeben, um die israelische Meinung berücksichtigen zu können, wollte Israel den Entwurf des QME-Reportes jedoch nicht geben, da er geheime Informationen enthalte, was letztlich impliziert, dass er davon ausgeht, dass Israel sich den Entwurf des Reportes durch Spionage ohnehin besorgt hat.

Die geplanten Waffenexporte zeigen dann, wie das Bewahren des QME im Detail funktioniert. Die USA hatten Israel zuvor in einem Non Paper darüber informiert, dass die USA beabsichtigen, F-15SA-Kampfflugzeuge nebst einer Menge Zubehör nach Saudi-Arabien und mit Hellfiire-Raketen bestückte Cessna-Caravan-Kleinflugzeuge sowie Raven Miniature UAVs an die libanesische Armee zu verkaufen.

Das Cable berichtet nun davon, dass Israel, welches selbst von der US-Regierung mehr oder minder gratis stets mit den neuesten und modernsten Waffen der USA wie F-35 beliefert wird, in einer offiziellen Antwort Bedenken vorgetragen habe. Israel begrüßte es dabei zwar, dass durch die geplanten Waffenexporte der USA an ihre Verbündeten diese Länder solche Waffen nicht in Russland oder China einkaufen würden, erklärte jedoch, diese Waffen seien zu fortschrittlich und würden deshalb das israelische QME gefährden.

An den F-15 an sich stören sich die Israelis dabei nicht, sondern daran, dass diese Flugzeuge mit modernen Systemen wie Enhanced Paveway II, Joint Helmet Mounted Cueing System und AESA Radar ausgestattet werden sollen. Vereinbart wurde dann, dass Brigadegeneral Heymann mit einem israelischen technischen Team nach Washington reist, um die Zubehörsysteme zu den für die Saudis bestimmten Kampfflugzeugen im Detail soweit herunterzukonfigurieren, dass sie keine Gefahr mehr für das QME Israels darstellen.

Bei den mit Hellfire bewaffneten Kleinflugzeugen sowie den Raven-Minidrohnen für die libanesische Armee brachte Israel den Einwand vor, dass sich diese Systeme nicht verschlechtern lassen, und da nicht absehbar sei, ob die libanesische Armee irgendwann mal der Hisbollah helfen würde, falls Israel mal wieder eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Hisbollah hat, Israel eigentlich grunsätzlich gegen diese Waffenlieferungen sei, andererseits Israel jedoch verstehe, dass die USA mit der Waffenlieferung die libanesische Armee gegen Hisbollah gerade zu stärken gedenke, und Israel deshalb vorschlage, diese Waffenlieferung an die Bedingung zu binden, dass gegen den Waffennachschub der Hisbollah wirksame Maßnahmen ergriffen werden.

Auch das nächste Cable aus Tel-Aviv, was QME behandelt, ist recht aufschlussreich. In Cable #09TELAVIV2482 berichtete Botschafter Cunningham am 16.11.2010 nach Washington, dass Obamas Vize-Kriegsminister Alexander Vershbow nach Israel gereist sei, dort mit hochrangigen israelischen Regierungsvertretern wie Pinchas Buchris, Amos Gilad, Benny Gantz und Yossi Baidatz gesprochen habe und Israels QME dabei auch wieder Thema war. Botschafter Cunningham berichtet zunächst, dass der Besuch des Vize-Kriegsministers im Gefolge kürzlicher High-Level-Diskussionen über Israels QME gekommen sei. Das Cable enthüllt somit, dass – offenbar weitestgehend unbemerkt von den Medien – Ende 2009 in Washington hochrangig besetzte Diskussionen über Israels QME geführt wurden.

Botschafter Cunningham berichtete weiter, Vershbow habe nach einer israelischen Einschätzung der Gespräche gefragt, und die israelische Seite habe diesbezüglich Dankbarkeit und Optimismus bezüglich weiterer Schritte geäußert……………..

 

http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/12/20/israels-qme-ein-problem-fuer-den-frieden-im-nahen-osten/#comment-303636

Kategorien:Geo Politik Schlagwörter: , ,
  1. berti
    Dezember 23, 2010 um 3:58 pm

    Nichts Neues von der Verbrecher Front der Amerikaner und das Mercedes immer mitmischt mit kriminellen Partnern, sah man an den Bußgelder, für Auslands Bestechung und immer wieder Weltweit !

    Hier die Verstrickungen in Argentinien, bis hin zum Mord!

    DaimlerChrysler und die toten argentinischen Gewerkschafter
    von Andrea Noll
    19.03.2004 — ZNet Kommentar
    ……………….

    http://www.zmag.de/artikel/DaimlerChrysler-und-die-toten-argentinischen-Gewerkschafter

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