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Mosche Katsav, Israels Ex-Präsident: Schuldspruch wegen Vergewaltigung

Katsav muss ins Gefängnis

„Seine Version war mit Lügen durchsetzt“ – so hart begründet das israelische Gericht seinen Schuldspruch gegen Mosche Katsav, Israels Ex-Präsidenten. Nun ist er überführter Sextäter. Wie lange er nun hinter Gitter muss, wird noch verkündet. Die Frauenbewegung jedenfalls ist zufrieden.

 

Mosche Katsav: Der ehemals oberste Politiker Israels ist jetzt ein überführter Sextäter. Foto: dapd

Jerusalem –

Mit aschfahlem Gesicht lauschte er am Donnerstag im Saal 606 des Tel Aviver Bezirksgerichts dem einstimmig gefällten Urteil: Mosche Katsav, 65 Jahre, einst Israels Staatsoberhaupt, jetzt ein überführter Sextäter. Schuldig gesprochen in nahezu allen Anklagepunkten: zweifache Vergewaltigung, sexuelle Belästigung in zwei weiteren Fällen, einmal verbunden mit einem unzüchtigen Akt, dazu Behinderung der Justiz. Lediglich den Vorwurf der Zeugenbeschimpfung ließen die drei Richter fallen.

Die Karriere eines armen jüdischen Einwanderersohns aus dem Iran, der es in Israel zum Staatspräsidenten brachte, war schon vor vier Jahren rapide abgeknickt. Damals, als sich die Ermittlungen gegen ihn verdichteten und Katsav sich widerwillig, aber dennoch vor offiziellem Amtsende im Juli 2007 zum endgültigen Auszug aus der Staatsresidenz genötigt sah. Nun ist sein Abstieg besiegelt, ein Gefängnisaufenthalt so gut wie gewiss.

Das Strafmaß wird in der israelischen Rechtsprechung nach britischem Vorbild zu einem späteren Zeitpunkt verkündet. Auf Vergewaltigung stehen mindestens vier, maximal 16 Jahre Haft. Sollte das Urteil einem Revisionsverfahren standhalten, verliert Katsav sämtliche Privilegien – von einer Pension bis hin zum persönlichen Fahrer –, auf die ein Ex-Präsident sonst lebenslang Anspruch hat.

Kein Zweifel bestehe, so der richterliche Vorsitzende George Kara, wer in dem 16 Monate währenden Prozess die Wahrheit gesprochen habe. „Wenn irgendeiner hier falsch ausgesagt hat, war es der Angeklagte.“ Sein angebliches Alibi war in der nichtöffentlichen Beweisaufnahme zerbröselt, ebenso seine Unterstellung, die Hauptbelastungszeugin A. habe ihn nur aus Rache wegen ihrer Kündigung angezeigt. „Seine Version war mit Lügen durchsetzt.“ Die Darstellung der Zeugin sei indes durch die Beobachtung Dritter gestützt worden. „Der Vorfall im Büro des Angeklagten hat stattgefunden“, so der Richter. „A. sagte Nein. Das ist keine sexuelle Belästigung, das ist Vergewaltigung.“

Jeder zweite Israeli war davon schon vor dem Richterspruch überzeugt. Aber das harte Urteil schlug dann doch wie ein Blitz ein. „Niemals zuvor“, kommentierte Zeev Segal, der Rechtsexperte der Zeitung Haaretz, „ist ein Präsident in der demokratischen Welt solcher Taten für schuldig befunden worden.“ Von einem „traurigen Tag für den Staat Israel und seine Bürger“, sprach Premier Benjamin Netanjahu. Als positiv bewertete allerdings auch er „zwei klare Botschaften“, die die richterliche Entscheidung enthalte: „Die eine gilt der Gleichheit jeden Mannes und jeder Frau vor dem Gesetz, die andere dem vollen Recht der Frau über ihren eigenen Körper.“

Für Israels Frauenbewegung ist die Verurteilung von Katsav jedenfalls ein Sieg auf ganzer Linie. Immer wieder hatte sie sich während der langwierigen Ermittlung mit den Opfern solidarisiert. „Wir sind alle A.“, lautete einer ihrer Slogans, als Katsav seinerzeit Zeuginnen in den Schmutz zu ziehen versuchte. „Nun setzen wir wieder Vertrauen in die Justiz“, hieß es am Donnerstag unter den Demonstrantinnen.

Katsavs Familie indes reagierte geschockt. Sie fühle sich „sehr schlecht“, ließ die daheimgebliebene Ehefrau Gila ausrichten.

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Fr-online

Kriminelle dirigieren die Israelische Regierung und Polizei 1 2)

 

Rücktritt im Juli 2007

Nach seinem Rücktritt im Juli 2007 handelten die Anwälte Katsavs mit der Staatsanwaltschaft ein Schuldeingeständnis für ein geringeres Strafmaß aus. Danach sollte er nicht wegen Vergewaltigung, sondern nur wegen sexueller Belästigung und unanständiger Handlungen angeklagt werden. Im April 2008 teilte Katsav jedoch mit, er wolle die Vereinbarung nicht unterzeichnen, sondern vor Gericht seine Unschuld beweisen.

Das Strafmaß für das jetzige Urteil steht noch aus. Katsav drohen aber mindestens mehrere Jahre Haft. Nach Auskunft seines Anwalts, Avigdor Feldman, will er jedoch weiter versuchen, seine Unschuld zu beweisen.

Proteste vor dem Gerichtsgebäude

Vor dem Gericht hatten während der Verlesung des Urteils Frauenorganisationen protestiert. Sie forderten eine harte Strafe.

Prozess gegen Katsav (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Demonstration vor dem Gerichtsgebäude in Tel Aviv ]
Kategorien:Geo Politik Schlagwörter: , ,
  1. agron
    Januar 3, 2015 um 4:05 pm

    Arye Deri ist charismatisch und gerissen, schon mit 29 Jahren avancierte er 1988 zum Innenminister und galt als politisches Wunderkind – bis er tief stürzte über eine Korruptionsaffäre. Wegen Betrugs und Amtsmissbrauchs wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt, knapp zwei saß er ab, anschließend durfte er für sieben Jahre kein öffentliches Amt mehr ausüben. Doch unmittelbar danach war Deri wieder ganz oben auf und zog bei der Wahl 2013 an der Schas-Spitze wieder in die Knesset ein.

    Rivale Eli Jischai hatte sich in den Jahren ohne Deri still nach oben gedient, grau seine Ämter verrichtet und dabei immer den „Maran“ im Blick gehabt, den Meister und Lehrer, wie Ovadia Josef von seinen Anhängern bis heute genannt wird. Jischai muss es als enorme persönliche Kränkung empfunden haben, von Deri wieder verdrängt zu werden.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlkampf-in-israel-stimmen-aus-dem-totenreich-spalten-ultraorthodoxe-1.2289251

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