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Wikileaks und der Betrug der Palästinenser Führer: Wahrheit und Selbstbetrug

Wie dreist auch in Palästina die Führer lügen, ist schon erstaunlich. Hauptsache die eigene Kasse stimmt.

24.01.2011, 17:24

Von Peter Münch, Tel Aviv

In Reden zelebrieren sie die Unnachgiebigkeit gegenüber dem Feind Israel. In der Realität gehen palästinensische Führer großzügige Kompromisse ein. Das konnten sie bisher elegant kaschieren – jetzt legen Geheimpapiere den Widerspruch offen.

„Verrat“ – so schallt es nun aus allen Ecken des arabischen Lagers, und die Verräter sitzen in Ramallah. Der Fernsehsender al-Dschasira hat die Palästinenser-Führung an den Pranger gestellt mit der Veröffentlichung von Geheimdokumenten, die von großen Zugeständnissen bei den Verhandlungen mit dem israelischen Feind künden. Den moderaten Kräften um Präsident Machmud Abbas werden panikgesteuerte Dementis nichts helfen. Die Enthüllungen sind wie ein Genickschlag, der sie unerwartet aus dem Dunkeln trifft.

Siedlung und Grenzmauer Bild vergrößern Die Geheimdokumente, die der arabische Sender al-Dschasira jetzt veröffentlicht hat, decken schonungslos den Widerspruch zwischen den Reden der palästinensischen Führung und der tatsächlichen Politik auf. (© dpa) 

Das ist die schlechte Nachricht. Eine gute Nachricht gäbe es zwar auch, denn die Papiere zeigen, dass mit Kreativität und Kompromisswillen durchaus Lösungen für all die umkämpften Streitpunkte des Jahrhundert-Konflikts zu finden wären. Doch gute Nachrichten will offenbar keiner hören in Nahost. Viel lieber gibt man sich der Aufregung hin, und die Aufregung ist nun groß – obwohl die Zugeständnisse nüchtern betrachtet bei weitem nicht so sensationell sind, wie sie nun dargestellt werden.

Die Palästinenser-Führung, so heißt es in den Enthüllungen, will israelische Siedlungen akzeptieren? Na klar, sie wird es tun müssen, weil mittlerweile Konsens darüber besteht, dass es bei einem Friedensvertrag in gewissem Umfang zu einem Landtausch kommen wird.

………………..

Dass die Enthüllungen dennoch Sprengkraft bergen, ist vor allem einem Umstand geschuldet: Schonungslos decken sie den Widerspruch auf zwischen den Reden palästinensischer Funktionäre und der eigentlichen Politik. Denn der unselige Jassir Arafat und seine Erben haben es bis heute versäumt, ihr Volk auf Kompromisse einzustimmen. Viel lieber haben sie das Blaue vom Himmel herab versprochen – und sich damit selbst zu einem doppelten Spiel gezwungen.

Die Demaskierung der palästinensischen Führung vor den Augen der Welt und der arabischen Massen könnte weitreichende Folgen haben. Denn die Radikalen vom Schlage der Hamas werden nun versuchen, die vermeintliche Verräterbande in Ramallah auszuhebeln. Präsident Abbas und den Seinen bleiben zwei Möglichkeiten: Sie sagen ihrem Volk die Wahrheit – doch das könnte sie den Kopf kosten. Viel wahrscheinlicher ist deshalb Variante zwei: Die Moderaten werden sich radikalisieren – und selbst in geheimsten Zirkeln zu keinen Zugeständnissen mehr bereit sein. Das ist dann das Ende aller Friedenshoffnung.

URL:
http://sueddeutsche.de/politik/geheimpapiere-der-palaestinenser-wahrheit-und-selbstbetrug-1.1050419
Kategorien:Geo Politik Schlagwörter: , , , ,
  1. Januar 25, 2011 um 5:36 pm

  2. Februar 6, 2011 um 9:13 pm

    PaliLeaks, land swaps and desperate search of peace

    The biggest leak of confidential documents in the history of the Middle East conflict began on Sunday, 23th January 2011 by the Al-Jazeera website with Britain’s Guardian newspaper. A cache of thousands of pages of confidential Palestinian records covering more than a decade of negotiations with Israel and the US has been obtained by al-Jazeera TV and shared exclusively with the Guardian. The papers provide an extraordinary and vivid insight into the disintegration of the 20-year peace process, which is now regarded as all but dead.

    The Palestinian Papers (“PaliLeaks”) show that Israel indeed had real partner with whom to negotiate issues such as borders, land swaps, settlements, refugees, Jerusalem and even recognition Israel as Jewish state. The authenticity is accepted by both sides. While the greater Middle-East is now in turmoil due the coup in Tunisia, PaliLeaks are causing shockwawes among Palestinians and in the wider Arab world. The papers are giving also perspective to possibilities for two-state solution and US facilitation, mediation, to reach it.

    The Palestine Papers

    The Palestine Papers, released in the Al-Jazeera website, cover the negotiating period from 1999, before the Oslo process broke down in Camp David, up to the frozen peace talks in 2010. Al-Jazeera is publishing 275 sets of meeting minutes, 690 internal e-mails, 153 reports and studies, 134 sets of talking points and prep notes for meetings, 64 draft agreements, 54 maps, charts and graphs, and 51 “non-papers” – alltogether at least 1,684 documents. The documents revealed by Al Jazeera seems to be much more important than the documents recently released by WikiLeaks.
    ……
    Some highlights of PaliLeaks are e.g. following details:

    ……………..

    http://arirusila.wordpress.com/2011/01/29/palileaks-land-swaps-and-desperate-search-of-peace/

  3. navy
    August 29, 2015 um 2:37 pm

    Israel/Palestine Annie Robbins on August 28, 2015 40 Comments

    – See more at: http://mondoweiss.net/2015/08/israeli-soldier-assaulting#sthash.jYoY4Pl0.dpuf

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