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Pentagon Papiere, wurden freigegeben, wie die Amerikaner mit Kriegs Luegen den Vietnam Krieg inzenierten

„Pentagon-Papiere“ nach 40 Jahren freigegeben

14.06.2011 | 10:02 |  (DiePresse.com)

Die 7000 Seiten starke Studie deckt Unwahrheiten der US-Regierung über den Vietnam-Krieg auf. Bereits 1971 gelangten Teile an die Öffentlichkeit. Der Skandal erschütterte damals die Welt.

Genau 40 Jahre nach ihrer spektakulären Erstveröffentlichung in der Presse sind die Pentagon-Papiere der US-Regierung zum Vietnamkrieg am Montag komplett freigegeben worden. In der insgesamt 7000 Seiten umfassenden Studie hatten Pentagon und Außenministerium die Vorgeschichte des Vietnamkrieges und Washingtoner Entscheidungsprozesse dokumentiert.

Daniel Ellsberg, damals Mitarbeiter der US-Denkfabrik Rand Corporation, gab 1971 Teile der Studie an die „New York Times“ und später auch andere Medien weiter. Die Veröffentlichung gab der Bewegung gegen den Vietnamkrieg wesentlichen Auftrieb. Aus den Geheimdokumenten ging hervor, dass die amerikanische Regierung über die Aussichten im Vietnamkrieg offenkundig die Unwahrheit gesagt hatte. Der Fall löste einen politischen Sturm in den USA aus.

Verteidigungsminister gab Studie in Auftrag

Seit Montag seien nun die kompletten Dokumente im Nationalarchiv in College Park im US-Staat Maryland sowie in drei Präsidentenbibliotheken einzusehen, teilte das Nationalarchiv mit. Die Pentagon-Papiere tragen den offiziellen Titel „United States – Vietnam Relations, 1945-1967: A Study Prepared by the Department of Defense“.

Bislang waren nur knapp zwei Drittel des Gesamtmaterials bekannt.

 

Das 7.000-seitige Dokument wurde im Sommer 1971 von Daniel Ellsberg unter Mithilfe seiner Kinder kopiert und – nach Versuchen der US-Regierung, die Pressefreiheit einzuschränken – von der New York Times und der Washington Post in Teilen publiziert. An einem Band schrieb auch der spätere US-Diplomat und Regierungs-Sonderbeauftragte für Pakistan und Afghanistan, Richard Holbrooke, mit. Vollständig wurden die Papiere nie veröffentlicht; sie liegen mit Geheimvermerk hinter verschlossenen Türen im Lyndon Baines Johnson Library & Museum.

Die Veröffentlichung enthüllte, dass bereits beweisbar Kriegsvorbereitungen getroffen wurden, während US-Präsident Johnson noch behauptete, nicht in Vietnam intervenieren zu wollen. Außerdem sollte der Vietnamkrieg trotz großer Verluste auf amerikanischer Seite weitergeführt werden.

Die Pentagon-Papiere selbst wurden im Auftrag des damaligen Verteidigungsministers Robert McNamara erstellt. Ziel war es, die Entwicklung hin zum Indochina-Krieg aus politischer und militärischer Sicht zu dokumentieren. Der offizielle Titel des Berichtes lautete „History of US Decision-Making Process of Vietnam Policy“. Autoren des Berichts, Mitarbeiter des Pentagons, des State Department und des Weißen Hauses, bleiben anonym.

Als die New York Times am 13. Juni 1971 begann, die Geschichte zu drucken, versuchte die US-Regierung unter Nixon mit allen Mitteln, eine weitere Veröffentlichung zu verhindern. Zu seinem Berater Kissinger soll Nixon gesagt haben: “Let’s get the son-of-a-bitch in jail!” („Bringt diesen Mistkerl [Anm.: gemeint ist Daniel Ellsberg] hinter Gitter!“).

Einen Tag später besprachen Nixon und Justizminister John Mitchell das weitere Vorgehen und kamen zu dem Ergebnis, vor einem Bundesgericht Klage gegen die New York Times zu erheben. Aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ sollte eine weitere Veröffentlichung der Dokumente verhindert werden.

Am 18. Juni begann, auf Drängen Ellsbergs, die Washington Post ebenfalls mit einer Publikation der Papiere. Auch diese Veröffentlichung sollte nach einem Anruf William Rehnquists, des stellvertretenden Justizministers, verhindert werden. Jedoch verweigerte dies die Washington Post konsequent, so dass beide Gerichtsverhandlungen schließlich vor dem Obersten Gerichtshof der USA verhandelt wurden. In einer 6:3-Entscheidung wurden die Veröffentlichungsverbote als nicht verfassungsgemäß aufgehoben.

  • „Die von Robert McNamara in Auftrag gegebene geheime Vietnam-Studie ist der Traum eines Historikers und der Alptraum eines Staatsmannes.” Newsweek, New York
  • „Nicht wider Willen und schicksalhaft, sondern zielstrebig und provokativ, von Kommunismus-Angst besessen, haben drei Präsidenten der USA ihr Land in den Vietnamkrieg geführt – das wies Amerikas Presse vier Wochen lang durch Auszüge aus der Vietnam-Studie des Pentagon nach.” Spiegel, Hamburg
  • „Die New York Times riskiert damit, dass sie die Konsequenzen tragen muss. In jedem Fall wird sie mit den Ehren des Krieges daraus hervorgehen.” Le Monde, Paris
  • „ein Beamter oder Journalist der Sowjetunion, der vertrauliche Dokumente der Regierung an die Öffentlichkeit brächte, würde sich eine sehr strenge Strafe zuziehen.” NZZ, Zürich
  • „Dann aber, wenn politische Ziele, Sensationslust oder auch nur die Kassa den Blick auf das Gemeinwohl trüben, schaufeln solche Meinungsmacher sich selbst und der Freiheit, die sie fordern, das Grab.” Die Presse, Wien
  • Neil Sheehan (Hrsg.): The Pentagon Papers as published by the New York Times. Quadrangle Books, New York u. a. 1971 (Deutsche Ausgabe: Die Pentagon-Papiere : die geheime Geschichte des Vietnamkrieges. Droemer-Knaur, München u. a. 1971, ISBN 3-426-00271-X (Knaur 271).
  • Daniel Ellsberg: Secrets. A Memoir of Vietnam and the Pentagon Papers. Viking Penguin, New York NY 2002, ISBN 0-670-03030-9.

Filme [Bearbeiten]

  • Die Pentagon-Papiere, USA 2003, Regie: John Holcomb [1]

Weblinks [Bearbeiten]

 

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