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Syrien: Wer hat den France-2-Reporter Gilles Jacquier ermordet?

Wer hat den France-2-Reporter Gilles Jacquier ermordet?

Der Kriegsreporter des staatlichen Fernsehsenders France 2, Gilles Jacquier, wurde am 11. Januar 2012 im syrischen Homs getötet. In Übereinstimmung mit allem, was sich bisher zu dem Ereignis im Netz finden läßt, berichtete auch die Frankfurter Allgemeine am nächsten Tag, dem 12. Januar 2012:

Zusammen mit einer Gruppe von Kollegen befand sich Jacquier auf Einladung der Regierung im Land. In Homs wurden sie völlig unerwartet mit Mörsergranaten beschossen. Mehrere Journalisten und Fotografen wurden verletzt, Jacquier und acht Syrer kamen ums Leben. Sie befanden sich in einem Quartier, das dem Diktator ergeben ist und von seinen Truppen kontrolliert wird.

Die Umstände legen nahe, daß Feinde der Regierung die Granaten abgeschossen haben. Le Figaro war schneller als die FAZ und berichtete schon am Tag der Tat, dem 11. Januar 2011, was Mohammed Ballout, Sonderreporter des BBC in arabischer Sprache vor Ort außerdem an Einzelheiten herausgefunden hatte:

Vor dem Krankenhaus in Zahira, einem Ortsteil von Homs, hätten Assad-Anhänger Parolen gerufen, als ein Geschoß aus einer RPG, einem Granatwerfer zur Panzerabwehr, der von Hand abgefeuert werden kann, in die Menge flog, acht Assad-Anhänger tötete und Umstehende verletzte. Jacqiers Besuchergruppe sei herangeeilt, um zu sehen, was passiert war. Da sei ein zweites Geschoß in die Richtung geflogen und habe auch Gilles Jacquier getötet. Das Viertel Zahira, so der BBC-Reporter Mohammed Ballout, sei eine Bastion der Allewiten, der Minderheit in Syrien, die zur Zeit das Land beherrscht. In diesem Viertel, schon mehrfach Zielscheibe von Aufständischen, gebe es oft Schüsse von Scharfschützen aus dem aufständischen Lager.

… devant l’hôpital de Zahira, un attroupement s’est formé de militants pro-Assad qui ont commencé à scander des slogans favorables au régime. Soudain, une roquette RPG a frappé la foule. Huit activistes pro-Bachar ont été tués sur le coup, il y a eu des blessés également.

Les journalistes du groupe de Jacquier sont accourus pour voir ce qui se passait. À ce moment-là, un deuxième RPG a été tiré dans leur direction. Gilles Jacquier est mort sur le coup. Un journaliste de la radio flamande VRT a été blessé à la tête. Le caméraman de France 2 n’a pas été blessé. L’attaque s’est passée dans la rue.

Zahira est un bastion alaouite qui a été visé plusieurs fois dans le passé par les manifestants. Dans ce quartier, il y a souvent des tirs de snipers de la part des manifestants.

[Englische Übersetzung des französischen Originals vom 12. Januar 2012 bei Michael Weiss, The Telegraph]

Da diese Einzelheiten zeitnah berichtet und von drei NATO-nahen, also eher Assad-feindlichen Organen kolportiert wurden, kann ich, von Hamburg aus, nur zu dem Schluß kommen: Assad-Gegner haben den France-2-Reporter Gilles Jacquier ermordet.

Doch was macht die Frankfurter Allgemeine aus den Informationen, die auch ihr zur Verfügung standen? Jürgen Altwegg bekundet:

In Syrien umgekommener Reporter

Tod im Hinterhalt

12.01.2012 · Frankreich trauert um den Reporter Gilles Jacquier. Er war vermutlich in eine Falle geraten. Das syrische Regime gerät nun in harsche Kritik von Jacquiers Kollegen – und unter Mordverdacht

Von Jürg Altwegg, Genf

Und was hat er als Belege für seine Vermutung zur Hand? Dies:

… Im französischen Rundfunk erklärte ein Reporter, die Gruppe sei womöglich von regimetreuen Soldaten gezielt unter Beschuss genommen worden. Denn danach habe es keinerlei Zwischenfälle gegeben: „Vielleicht war es ein Hinterhalt.“ Verdächtig schnell seien die syrischen Medien präsent gewesen, die alles filmten – und umgehend als Anschlag von Terroristen bezeichneten. Jacquier wurde in ein christliches Krankenhaus gebracht. Seine Kollegen mussten die Syrer daran hindern, sich vor dem Eintreffen des Botschafters der Leiche zu bemächtigen. Die französische Regierung und „Reporter ohne Grenzen“ (1) verlangen von der Regierung in Damaskus eine Untersuchung. „Von einer Manipulation zu sprechen scheint mir zumindest verfrüht“, erklärte am Donnerstagnachmittag der Programmdirektor von France 2.

Jürgen Altwegg kommt nicht, wie ich, von Hamburg, sondern von Genf aus zu dem Schluß, die syrische Regierung sei des Mords an Gilles Jacquier verdächtig. Was, zum Teufel, ist anders am Standort Genf als am Standort Hamburg?

Na, am geographischen Standort wird’s wohl nicht liegen.

T:I:S, 16. Januar 2012

Anmerkung

(1) Unter Reporter ohne Grenzen steht, was es mit denen auf sich hat.

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nato.htm#Jacquier

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*

Afsane Bahar

Die makabere Heuchelei und erbärmliche Scheinheiligkeit einiger politischer Akteure in Deutschland

NATO, Syrien und der Iran

Heuchelei, .doc-Datei, 15. Januar 2012. T:I:S, 16. Januar 2012

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nato.htm#Bahar

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