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Pakistan: Agenten als Entwicklungshelfer

24.01.2012 – Agenten als Entwicklungshelfer

ISLAMABAD/PULLACH (Eigener Bericht) – Die deutsche Auslandsspionage
tarnt ihre Agenten selbst in Kriegsgebieten als Entwicklungshelfer.
Dies geht aus übereinstimmenden Berichten über die Festnahme dreier
Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) im pakistanischen
Grenzgebiet zu Afghanistan am vergangenen Wochenende hervor. Demnach
gaben die drei Spione an, in der sogenannten Entwicklungspolitik tätig
zu sein, und nutzten Fahrzeuge und Visitenkarten mit dem Logo der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die
GIZ ist – wie andere deutsche Organisationen auch – in dem Grenzgebiet
tätig, in dem der Westen einen auf erheblicher geheimdienstlicher
Unterstützung basierenden Krieg gegen Helfer der Aufständischen in
Afghanistan führt. Der BND nimmt mit seiner Tarnpraxis eine
zusätzliche Gefährdung der Entwicklungshelfer in Kauf. Im
pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan ist der BND seit den 1980er
Jahren aktiv; er unterstützte dort Warlords, die bis heute am
Hindukusch Krieg führen. Die damalige BND-Tätigkeit trug auch dazu
bei, den Geheimdienst Pakistans zu stärken, der heute als eine der
maßgeblichen Kräfte im pakistanischen Establishment gilt.
……………….

Nicht mehr neutral
Wie verschiedene Berichte übereinstimmend bestätigen, tarnten sich die drei nun aus Peshawar abgeschobenen BND-Agenten als Entwicklungshelfer. Demnach benutzten sie Fahrzeuge der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Visitenkarten mit dem Logo der bundeseigenen Organisation.[8] Zudem gaben sie an, Entwicklungsprojekte in der ganzen Region zu kontrollieren.[9] In Peshawar und dem weiteren Grenzgebiet zu Afghanistan, insbesondere auch in den sogenannten Stammesgebieten, deren Bedeutung für die afghanischen Aufständischen weithin bekannt ist, sind neben der GIZ auch weitere deutsche Entwicklungsorganisationen tätig. Dass sie nun in Verdacht geraten und einer erheblich zunehmenden Gefährdung ausgesetzt sind, nimmt der BND in Kauf. Bereits Ende 2008 war die damals bekannt gewordene Tatsache, dass der BND über Jahre hin Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Afghanistan ausgespäht hatte, um Informationen für die Aufstandsbekämpfung zu sammeln, auf heftigen Protest gestoßen – auch weil die Maßnahme geeignet war, die Hilfsorganisation in den Verdacht der Kriegszuarbeit zu rücken. Derlei gefährde, beschwerte sich damals die Welthungerhilfe, die „Neutralität“ von Nichtregierungsorganisationen in beträchtlichem Maße.[10] Ein nicht namentlich genannter Entwicklungshelfer warnt: „Gerade Extremisten fackeln nicht lange, wenn sie jemanden für einen westlichen Spion halten. Und wir arbeiten viel in Regionen, in denen es Extremisten gibt.“[11]
[1] s. dazu Alte Verbündete
[2] Von Peshawar aus operierten mindestens ein Sanitätsoffizier und ein Major des Amtes für Nachrichtenwesen der Bundeswehr.
[3] Peter F. Müller, Michael Mueller mit Erich Schmidt-Eenboom: Gegen Freund und Feind. Der BND: Geheime Politik und schmutzige Geschäfte, Reinbek 2002
[4] Erich Schmidt-Eenboom: Der Schattenkrieger. Klaus Kinkel und der BND, Düsseldorf 1995
[5] Erich Schmidt-Eenboom: Der BND in Afghanistan; www.geheimdienste.info
[6] A Force to be Reckoned with; Jane’s Defence Weekly 14.01.1995
[7] s. dazu Die Wahl der Mittel
[8] Pakistan schließt deutsches Spitzelbüro; www.spiegel.de 21.01.2012
[9] Colonel among three Germans held; http://www.dawn.com 22.01.2012
[10] Welthungerhilfe empört über BND-Abhöraktion; http://www.welthungerhilfe.de 08.12.2012
[11] Agenten-Affäre belastet Deutschlands Beziehungen zu Pakistan; http://www.spiegel.de 23.12.2012

mehr
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58249

Kommentar: Die Welthungerhilfe, zog selbst in Albanien mit den übelsten Mafiosi durch die Gegend vor über 10 Jahren.

Erich Schmidt-Eenboom und Michael Müller:
Geheimoperation Olympia 2008: Die globale Offensive der chinesischen Nachrichtendienste und ihre Folgen
Januar 2009, pdf-Datei

Erich Schmidt-Eenboom:
Der BND in Afghanistan
Oktober 2008, pdf-Datei

Erich Schmidt-Eenboom:
German intelligence in Afghanistan from the 1950’s to the present day
Oktober 2008, Englische Version, pdf.datei

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