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Wirtschaftsspionage: Amerika hat Europa längst den Krieg erklärt

Spione der USA gegen Europa, ist seit Jahrzehnten bekannt.

„Die US-Militäraktion gegen den Iran ist vorbereitet“ (21.05.2012)

Wirtschaftsspionage: Amerika hat Europa längst den Krieg erklärt

Freitag, 25. Mai 2012 um 07:41 Uhr |

Von BRUNI AMANN

Nicht selten eröffnet eine Recherche unerwartete Nebenerkenntnisse. So stieß die Autorin bei Nachforschungen zu einem italienischen Papierhersteller mit Sitz in Triest auf eine amerikanische Internetplattform, die sämtliche Handelsbeziehungen der Italiener mit US-Firmen bereitstellt. Damit nicht genug, werden Warendetails, Empfänger, Transportfirmen und eine  Reihe weiterer Handelsinformationen ebenfalls öffentlich zugänglich gemacht. Im Informationszeitalter ein ganz normaler Vorgang? Mitnichten. Ein genauerer Blick auf die Umstände dieser Veröffentlichungen offenbart einmal mehr die moderne Strategie amerikanischer Kriegsführung.

Als Anschauungsobjekt soll hierbei die Firma Import Genius (IG) dienen, ähnliche Geschäftsmodelle gibt es seit über zehn Jahren, zu nennen wären etwa Panjiva, Datamyne und PIERS. Import Genius wirbt mit dem „Zugang zu sämtlichen US-Importdaten seit 2006, effizienter Suche mittels ausgeklügelter Software (supply spy, import scan) nach Mitbewerbern, Lieferanten, Produktdetails, Ankunftshäfen und vielem mehr, visueller Darstellung sämtlicher Kontakte beliebiger Firmen, Emailalarm bei neuen Lieferungen, praktischem Herunterladen in XLX-  oder CSV-Format, sowie Videodokumentationen des Ankunftshafens in Echtzeit“.1 Momentan können an die 70 Millionen Transaktionen heruntergeladen werden, allein für Deutschland gibt es eine Liste von knapp 53.000 deutschen Importeuren mit den dazugehörigen Daten.

Das destruktive Geschäftskonzept wird beschönigend mit einer positivistischen Geschäftsphilosophie verbunden. CEO Ryan Petersen: „Seit tausenden Jahren haben Importeure die Identität ihrer Lieferanten, Lieferumfänge, neue Produkttrends und andere Geheimnisse des Import/Export Geschäfts eifersüchtig bewacht. Viele dieser Handelsgeheimnisse werden den Wust an Daten, den Import Genius generiert, nicht überleben, einer Technologiefirma, die hunderte Millionen von Frachtpapieren bereitstellt, um Einsicht zu gewähren in Handelsbeziehungen, neue Produktpaletten und industrielle Entwicklungen […] Wir demokratisieren den Handel“. Mr. Petersen – ein neuer Robin Hood der Handelswege? Wohl kaum, der Service von IG kostet – je nach Leistungspalette – zwischen 99 und 399 US-Dollar im Monat. Der Konkurrent Datamyne verlangt das Dreifache, verfügt aber über komplette Datensätze zu (unwidersprochenen) 600 Millionen Frachtpapieren seit 2001.

„Wir demokratisieren den Handel“

Eine Analyse des Internetauftritts von IG bestätigt: Die häufigsten Zugriffe kommen, neben amerikanischen Nutzern, aus China, Indien und Mexiko. Zu welchem Zweck Produzenten aus diesen Nationen die exakten Handelsbeziehungen europäischer Firmen, bis hin zu Produktpaletten, erforschen, dürfte bekannt sein. Es war ein Leichtes, die von der Triester Firma gelieferten Kartonmappen samt Verkaufspreis und Abbildung zu eruieren. Diese Informationen stammen zwar von einem anderen Portal: dem amerikanischen Wiederverkäufer. Dennoch aber ist die Existenzgrundlage des italienischen Familienbetriebs von der Produktion bis zum Endverkauf lückenlos dokumentiert. Wie leicht muss es für chinesische Papierkonzerne sein, die speziellen Produktideen der Italiener zu kopieren und – ganz frech und direkt bei deren Handelspartnern – diese signifikant zu unterbieten? Die Italiener wundern sich eines Tages, warum keine Bestellungen mehr aus Amerika einlangen. Von der organisierten Industriespionage seitens der Asiaten, noch dazu mit amerikanischer Schützenhilfe, ist ihnen natürlich nichts bekannt – schließlich schweigen die europäischen Medien zu dem Skandal.

Betriebsgeheimnisse ade: US-Dienstleister wie „Import Genius“ machen – ganz legal! – sensible Unternehmensdaten öffentlich. Kunden des Portals, zumeist Hersteller aus Fernost, entrichten dafür gerne auch hohe Gebühren (Quelle: Bildschirmkopie Website Import Genius)

Natürlich werden Portale wie IG  rege genutzt – zum einen von Produzenten, um die Konkurrenz auszuschalten, oder um deren Lieferanten und Transportfirmen zu eruieren. Zum anderen wird IG bereits, ähnlich kritiklos wie Wikipedia, von Journalisten oder Börsenanalysten zitiert und als zuvor nie dagewesene Datenbank genutzt. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf niemand geringeren als den Technologiekonzern Apple aus: Als IG im Frühjahr 2008 via Live-Ticker „188 mysteriöse Containerlieferungen“ aus China meldete, spekulierten Wirtschaftsanalytiker mit der unmittelbar bevorstehenden Präsentation des neuen (geheim gehaltenen) 3G iPhones. Entsprechend veränderten sich die Börsenwerte des Konzerns.

Existenzgefährdend oder gar strafrechtlich relevant wird das Portal, wenn Finanzbehörden etwa, oder Börsenanalysten bis hin zu Ratingagenturen Lieferumfänge und Umsätze über gewisse Zeiträume hinweg mit den firmeneigenen Angaben abgleichen. Auch hier zwingt das digitale Zeitalter den Menschen zunehmend in ein Korsett, das ihm die Luft nimmt und in der Folge seine Existenz zerstört. Am perfidesten sind wohl jene Schachzüge, die der einzelne gar nicht wahrnimmt. Die europäischen Mittelstandbetriebe sind sich der Gefahr nicht bewusst, die europäische Politik entpuppt sich wieder einmal als willfähriger Handlanger amerikanischer Macht- und Zerstörungstaktik……………………

Kategorien:Europa Schlagwörter: , ,
  1. navy
    August 11, 2014 um 3:32 pm

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