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Das CIA Komplott mit Kuweit gegen Saddam und die Bevölkerung des Iraks

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Das Komplott der CIA mit Kuweit: Was sagte eigentlich April Glaspie zu Saddam?

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Von MALCOM LAGAUCHE, 4. August 2009 –

Glaspie Hussein Der 25. Juli war ein denkwürdiger Tag – es war der 19. Jahrestag des berüchtigten Treffens zwischen April Glaspie, der ehemaligen US-Botschafterin in Irak, und Saddam Hussein im Jahr 1990.* Leider ist dieses Ereignis praktisch aus der Geschichte der US-Irak-Beziehungen eliminiert worden. Nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und Irak im Februar 1991 gab es ein wenig Beachtung in den Medien, die aber schnell wieder verschwand.

Bevor wir ihr Treffen diskutieren, wollen wir einen Blick auf die Hintergrundinformationen werfen, die zu einem Punkt führten, an dem Irak kurz davor stand, seinen südlichen arabischen Nachbarn anzugreifen. Jahrelang war das unter dem Namen Kuweit bekannte Land kulturell, geographisch, rassisch und ökonomisch ein Teil jenes Gebietes, das heute als Irak bekannt ist. Irak wurde im Laufe der Jahrhunderte mit verschiedenen Namen belegt und war Teil verschiedener Imperien, aber das heutige Kuweit war immer eine Provinz von Basra, dem südlichsten Teil von Irak.

Im frühen 20. Jahrhundert legten die Briten die Grenzen fest, die den gegenwärtigen Nahen Osten bilden. Viele davon überschnitten sich mit traditionellen Kulturen und Identitäten, wodurch das Gebiet seit damals bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem Treibhaus für Gewalt wurde. Heute sieht es so aus, als ob der Konflikt, der durch diese Grenzen geschaffen wurde, sich weiter in das neue Jahrhundert ziehen wird. Die Grenze zwischen Kuweit und Irak schuf Feindschaft und Misstrauen. Obwohl die Briten während ihrer Besatzung im 20. Jahrhundert im Irak Handlanger einsetzten, haben zwei der Quisling-Regierungen gegen den Status von Kuweit als einem unabhängigen Land protestiert.

Bis 1990 hielten die Baath-Regierung von Irak und das Emirat von Kuweit einen prekären Frieden. Manchmal hatten die beiden Länder freundschaftliche Beziehungen, aber manchmal ging man auf Distanz. Der gemeinsame Nenner war, dass beide von Arabern bewohnt wurden, und beide nutzten diese Bruderschaft, um Frieden zu halten.

1980 bekriegten sich Iran und Irak. Die beiden Länder kämpften einen blutigen achtjährigen Kampf, der mit einem Patt endete. Iran wollte seine eigene islamische Revolution im ganzen Nahen Osten verbreiten, und Irak war das einzige Land in jener Gegend, das die territorialen Absichten Irans stoppen konnte. Irak war der Puffer, der verhinderte, dass die Länder der arabischen Halbinsel, einschließlich Kuweits, in iranische Hände fielen. Im Unterschied zu der feindlichen Haltung der benachbarten Länder, die durch die US-Intervention hervorgerufen wurde, standen Iraks arabische Nachbarn in den 80-er Jahren geschlossen hinter dem Land, das seine Soldaten opferte, um die Unabhängigkeit der arabischen Golfstaaten zu bewahren. ** In den 90-er Jahren wendeten sich Länder wie Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar und andere durch die gewaltsame Überredung der USA gegen ihren früheren Verbündeten. Kuweit war, durch kräftige US-Unterstützung das erste Land, das Irak betrog und andere folgten. Einige jedoch, wie Jemen und Jordanien, behielten ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Irak, weil die Völker dieser Länder ihre Führung zwangen, die Iraker nicht zu ächten.

Am Ende des irakisch-iranischen Krieges war die Wirtschaft Iraks erheblich geschwächt. Die Ereignisse, die zu „Desert Storm“ (US-Name für den 1. gegen Irak geführten Krieg, .d.Ü.) führten, begannen sich herauszukristallisieren.

Während des Krieges lieh Kuweit Gelder an Irak. Das Geld wurde sowohl zur Verteidigung Kuweits als auch Iraks verwendet, und die irakische Regierung hatte nicht erwartet, nach dem Ende der Feindseligkeiten unter Druck gesetzt zu werden, um die Darlehen sofort zurückzuzahlen, besonders deshalb, weil ein großer Teil des Geldes benutzt wurde, Iran an einer Invasion Kuweits zu hindern.

Bald nach dem Waffenstillstand verlangte Kuweit die Rückzahlung. Saddam Hussein war schockiert, das Kuweit einen solchen Druck ausübte nach all den Opfern, die Irak gebracht hatte. Als Irak versuchte, die Angelegenheit der Rückzahlung mit Kuweit zu diskutieren, wurden die Kuweitis noch unwilliger, eine Erleichterung bei der Schuldenrückzahlung zuzugestehen. Die Iraker wussten bereits, dass die CIA und Kuweit Maßnahmen getroffen hatten, um die irakische Wirtschaft weiter zu unterminieren, aber sie waren sich nicht der Ernsthaftigkeit und der Fortschritte dieser Pläne bewusst.

Nachdem Irak am 2. August 1990 die kuweitische Grenze überschritten hatte, kamen viele Aspekte dieser anti-irakischen Ränke ans Licht. Die Iraker fanden die Kopie eines Briefes vom 22. November 1989 mit dem Stempel ”Top Secret and Private” (äußerst geheim und privat), der von Brigadegeneral Ahmed Al Fahd (Generaldirektor des Staatssicherheitsdienstes von Kuweit) an Sheikh Salem Al Sabah Al Sabah (Innenminister von Kuweit) geschickt worden war. Der Brief erwähnt das Bündnis der CIA und der kuweitischen Regierung und ihre Pläne, die irakische Wirtschaft zu unterminieren. Hier sind ein paar wichtige Punkte:

„In Übereinstimmung mit den Befehlen Ihrer Hoheit, die bei unseren Treffen am 22. Oktober 1989 erlassen wurden, besuchte ich das Hauptquartier der United States Intelligence Agency (CIA) zusammen mit Oberst Ishaq Abd Al Hadi Shaddad, Direktor der Untersuchungen für den Regierungsbezirk Ahmadi zwischen dem 12. und 18. November. Seitens der Vereinigten Staaten betonte man, dass der Besuch äußerst geheim bleiben sollte, um nicht die Empfindlichkeiten unserer Brüder im Gulf Cooperation Council (Golf-Kooperations-Rat) Iran und Irak zu verletzen …

Wir kamen mit den Vereinigten Staaten überein, dass Besuche auf allen Ebenen zwischen dem Staatssicherheitsdienst und der CIA ausgetauscht werden sollten, und dass Informationen über Waffen sowie soziale und politische Strukturen im Iran und Irak ausgetauscht würden …

Wir kamen mit der amerikanischen Seite überein, dass es wichtig sei, die sich verschlechternde ökonomische Situation im Irak auszunutzen, um Druck auf die Regierung dieses Landes auszuüben zur Feststellung unserer gemeinsamen Grenze. Die CIA gab uns ihre Auffassung von geeigneten Druckmitteln zur Kenntnis, und meinte, dass eine breite Kooperation zwischen uns initiiert werden sollte unter der Bedingung, dass derlei Aktionen auf hoher Ebene koordiniert würden.“

Dieser Brief bewies die irakischen Behauptungen von einem fertigen US-Plan, die Wirtschaft Iraks schwach zu halten, damit Kuweit davon profitieren könne. Die Veröffentlichung dieses Briefes warf ein neues Licht auf die Ereignisse des 2. August 1990 und der folgenden Monate. Irak drang nicht einfach in Kuweit ein, um Kuweits Erdöl an sich zu reißen. Es tat dies, um Kuweit und die USA davon abzuhalten, seiner Wirtschaft auf Dauer Schaden zuzufügen.

azizDer irakische Außenminister Tariq Aziz verbreitete sehr schnell die Tatsache über die US-Kuweit-Kooperation, aber die Agenda war von Bush I geschrieben worden und über diese erdrückenden Beweise hörte man kaum einen Pieps. Die Welt hörte nur von ”nackter Aggression” und ”einem neuen Hitler”. In einem Brief vom 24. Oktober 1990 an die Vereinten Nationen hob Aziz die Handlungen der USA und Kuweits hervor, die schließlich zu der Besetzung von Kuweit durch den Irak führten. Viele entscheidende Punkte wurden angeführt, weshalb es wichtig ist, den ganzen Brief zu veröffentlichen:

„Ich schicke Ihnen die Kopie eines Briefes vom 22. November 1989 vom Generaldirektor des Staatssicherheitsdienstes an den Innenminister des vormaligen Regimes von Kuweit. Dieses gefährliche Dokument beweist die Existenz einer Verschwörung zwischen jener Regierung und der Regierung der Vereinigten Staaten zur Destabilisierung der Situation in Irak.

Ich erwähnte diese Verschwörung in einem Schreiben vom 4. September 1990, das ich an die Außenminister der ganzen Welt schickte. In jenem Brief erklärte ich den historischen Hintergrund und die Machenschaften der kuweitischen Führung gegen Irak wie folgt:

”Wir müssen daher folgern, dass die Führer des vormaligen Regimes wünschten, ihre Pläne solange zu verfolgen, bis die Wirtschaft Iraks zerstört und sein politisches System destabilisiert wäre. Es ist unmöglich zu glauben, dass ein Regime wie jenes, das zuvor in Kuweit an der Macht war, eine solch ambitiöse Verschwörung unternommen hätte ohne die Unterstützung und den Schutz einer Großmacht. Diese Macht können nur die Vereinigten Staaten sein.”

Ich machte in meinem Brief auch die folgenden Bemerkungen:

”Es ist aus meinem historischen Bericht und der Beschreibung der von mir geschilderten Ereignisse ersichtlich, das die Meinungsverschiedenheiten nicht nur auf ökonomischen und Grenzfragen beruhten. Wir hatten viele Differenzen dieser Art über 20 Jahre hinweg, doch wir versuchten immer, die bestmöglichen Beziehungen mit den vormaligen Führern von Kuweit aufrechtzuerhalten trotz deren verachtenswertem Verhalten und deren verächtlicher Haltung gegenüber Irak. Tatsache ist, dass es eine organisierte Verschwörung gab, an der die vormaligen Führer Kuweits mit der Unterstützung der Vereinigten Staaten mit Bedacht teilnahmen, um die Wirtschaft des Irak zu destabilisieren und seine Verteidigungsmöglichkeiten gegen die imperialistischen Ziele Israels und die Aggressionsakte von Teilen der arabischen Welt zu unterminieren. Um das zu erreichen, war es notwendig, das politische System Iraks zu unterminieren und die Hegemonie der Vereinigten Staaten in der Region zu stärken, insbesondere über die Erdölvorkommen. Tatsächlich war es, wie Präsident Saddam Hussein auf dem Gipfel von Bagdad erklärte und ich in meinem Schreiben an den Generalsekretär der Arabischen Liga andeutete, ein Krieg gegen Irak.”

Dieses Dokument beweist klar und unwiderleglich, dass die CIA und die Geheimdienste der früheren Regierung von Kuweit miteinander verbündet waren zu einem Anschlag auf die nationale Sicherheit, territoriale Integrität und die nationale Wirtschaft Iraks.

Ich wäre dankbar, wenn Sie freundlicherweise diesen Brief und den beigefügten Text als ein offizielles Dokument des Sicherheitsrates zirkulieren ließen.“

Monate vor dem Beginn von Desert Storm hat Tariq Aziz die Doppelzüngigkeit Kuweits entlarvt. Doch statt die Fakten zu betrachten, hat der größte Teil der Welt es George Bush erlaubt, sie zu verdrehen und ein ganz anderes Szenario zu entwerfen – eines, bei dem Iraker Kuweit aus keinem anderen Grund besetzten als aus Gier und zur Aneignung des kuweitischen Erdöls. Irak hatte bereits die zweitgrößten Erdölreserven der Welt, weshalb es sich nicht jene von Kuweit aneignen musste. Iraks wirtschaftliche Existenz war von den USA und Kuweit bedroht worden, aber es schien so, als würde niemand darauf hören.

1989 tauchte ein weiteres seltsames Szenario auf. Irak begann Öl aus seinen Quellen in den Erdölfeldern von Rumailah zu verlieren, die an der irakisch-kuweitischen Grenze liegen. Irak entdeckte, dass die Kuweiter eine schräge Bohroperation an der Grenze installiert hatten, wodurch sie in der Lage waren, unter der Grenze hindurch zu bohren und irakisches Öl zu stehlen. Damals schätzte die irakische Regierung die Erdölverluste auf 2.7 Milliarden US Dollar, aber nachdem sie das enorme Ausmaß der Operation entdeckten, wurden die Verluste neu auf etwa 14 Milliarden Dollar geschätzt. Der Diebstahl irakischen Öls wurde von Irak gut dokumentiert. In einem Brief vom 15. Juli 1990 an den Sekretär der Arabischen Liga beschrieb Tariq Aziz den Diebstahl detailliert.

Wegen der kooperativen Beziehung zwischen Kuweit und Irak während des Iran-Irak-Krieges war Saddam Hussein fassungslos über Kuweits Sinnesänderung nach dem Ende der Feindseligkeiten. Irak begann Teile des Puzzles zu finden und fügte sie zusammen. Diese Erkenntnisse wurden nach dem 2. August 1990 erhärtet, als die Iraker in Kuweit die Beweise fanden wie den zuvor erwähnten geheimen Brief.

Vor dem 2. August 1990 hatten die Iraker genug Fakten, um den Arabern zu zeigen, wie unter kuweitischer Mitwirkung ihre Wirtschaft unterminiert wurde. Für Irak war dies der Anfang des US-Eindringens in diesem Weltteil, das nicht rückgängig gemacht werden konnte, nachdem es erst einmal begonnen hatte. In einer Rede in Amman, Jordanien, am 24. Februar 1990 sprach er zu den Zuhörern von der bevorstehenden Gefahr, den USA zu erlauben, sich in die regionalen Angelegenheiten einzumischen. Man muss sich auch erinnern, dass damals die Sowjetunion noch bestand und als Weltmacht angesehen wurde. Der irakische Präsident sagte:

”Das Land, das den größten Einfluss in der Region, im Golf und auf das Erdöl hat, wird seine Überlegenheit als eine unumstrittene Supermacht konsolidieren. Dies beweist, dass wenn die Bevölkerung des Golfs – und der gesamten arabischen Welt – nicht wachsam ist, die gesamte Region von den Vereinigten Staaten nach ihren Wünschen beherrscht werden wird.”

Trotz dieser unheilvollen Vorhersage maß die arabische Welt ihr keine große Bedeutung zu. Die meisten Länder der Region konnten sich keine US-Präsenz vorstellen, die ihnen eine US-Politik diktieren würde. Die Ereignisse seit 1990 haben zum Kummer der regionalen arabischen Länder bewiesen, dass Saddam Husseins Aussage korrekt war. Heute sind Länder wie Qatar und Kuweit praktisch US-Besitzungen.

Kuweit begann entgegen den Wünschen seiner Erdöl-produzierenden Partner in der OPEC mehr Öl als seine erlaubte Quote zu produzieren, wodurch es den Erdölpreis auf dem Weltmarkt senkte. Jedes Mal, wenn Kuweits Aktionen eine Verminderung des Ölpreises erzwangen, verlor Irak Millionen, wenn nicht Milliarden Dollar, was die Wirtschaft zusätzlich unterhöhlte.

Die Situation wurde immer angespannter, und Saddam Hussein bat um ein Treffen mit April Glaspie, der US-Botschafterin in Irak. Sie trafen sich am 25. Juli 1990, und Saddam erklärte ihr die missliche Lage seines Landes. Er diskutierte Kuweits Bruch der OPEC-Abkommen und den dringenden Geldbedarf seines Landes, um die Infrastruktur wiederherzustellen, die in dem 8-jährigen Iran-Irak-Krieg geschädigt worden war.

Daraufhin versicherte Glaspie Saddam, dass die USA auf Iraks Seite stünden und die USA die Wünsche Iraks zum Wiederaufbau verstünden. Sie erklärte:

”Ich glaube, dass ich verstehe. Ich habe hier jahrelang gelebt. Ich bewundere Ihre außerordentlichen Anstrengungen, das Land wiederaufzubauen. Wir verstehen das, und unsere Meinung ist, dass Sie die Gelegenheit haben sollten, das Land wiederaufzubauen. Aber zu den arabisch-arabischen Konflikten, wie dem Grenzstreit mit Kuweit, haben wir keine Meinung.”

Dann beklagte sich Saddam Hussein, dass die USA die meisten Bestellungen aus den USA blockieren würden. Er sagte:

”Wir können nichts in den USA kaufen. Nur Weizen. Weil immer, wenn wir etwas kaufen wollen, dann sagen sie, das sei verboten. Ich fürchte, sie werden eines Tages sagen: ‚Ihr wollt doch nur Pulver aus dem Weizen machen’.”

Diese Worte waren recht prophetisch. Nach Desert Storm konnte Irak wegen des umfangreichen Embargos keine Nahrungsmittel importieren, weshalb es mehr landwirtschaftliche Produkte erzeugen musste. Im Juni 1992 zerstörten US-Militärjets mit ihren Nachbrennern 23 irakische Weizenfelder.

Zurück zu dem Saddam Hussein – April Glaspie Treffen. Auf Saddams Klagen über den mangelnden Zugang zum amerikanischen Markt sagte sie: ”Ich habe die direkte Anweisung vom Präsidenten, bessere Beziehungen zu Irak herzustellen.”

Die US-Administration behauptete, dass Iraks Streit mit Kuweit eine irakische Angelegenheit sei und keine amerikanische. Am 26. Juli 1990, am Tag nach dem Saddam-Glaspie-Treffen, wurde Margaret Tutweiler, Sprecherin des US-Außenministeriums von der Presse gefragt: ”Haben die Vereinigten Staaten den Irakern irgendeine Art diplomatischer Botschaft geschickt über die Aufstellung von 30.000 Truppen an der Grenze zu Kuweit? Hat es irgendeine Art Protest seitens der amerikanischen Regierung gegeben?” Sie antwortete: ”Mir ist nichts über einen derartigen Protest bekannt.”

Am 31. Juli 1990 sagte John Kelly, stellvertretender Außenminister für den Nahen Osten vor dem Kongress aus, dass ”die Vereinigten Staaten keine Verpflichtung haben, Kuweit zu verteidigen und keine Absicht haben, Kuweit zu verteidigen, wenn es von Irak angegriffen wird”.

Diese Botschaften sind nicht doppeldeutig, sondern waren falsch. Bush hatte fertige Pläne, Irak zu zerstören, und das Überschreiten war die passende Entschuldigung, die Absichten von Bush auszuführen.

Als die Kriegspropaganda in den folgenden Monaten in Gang kam, wurde die Angelegenheit des Saddam-Glaspie-Treffens unter Verschluss gehalten. Wenige Amerikaner wussten von der Sache. Das Ränkespiel wurde verstärkt durch das scheinbare Verschwinden von Glaspie. Vom 4. August 1990 bis zum Mai 1991 erwähnte sie kein Regierungsbeamter, und keiner konnte etwas über ihren Verbleib berichten. Ein paar Reporter brachten den Mut auf, Fragen zu stellen, aber sie wurden ignoriert.

Im Mai 1991 erschien April Glaspie vor dem US-Senat. Es wurden keine Fragen gestellt, wo sie in den vergangenen neun Monaten gewesen sei, und die Öffentlichkeit wird es wohl nie erfahren. In ihrem Bericht vor dem Senat sprach sie davon, Saddam gewarnt zu haben, gegen Kuweit vorzugehen. Die meisten Senatoren glaubten ihr, weil sie behauptete, dass die Abschrift von ihrem Treffen mit Saddam von der irakischen Regierung geändert wurde. (Die CIA gab zu, dass die Abschrift korrekt wäre, und dass Glaspie keine derartige Aussage gegenüber Saddam gemacht habe.) Nach ihrem Zeugnis verlieh ihr der Senat geradezu den Status einer Heldin.

Im Juli 1991 brachten die Senatoren Clayborne Pell von Rhode Island und Alan Cranston von Kalifornien ein völlig anderes Szenario vor als das, das Glaspie präsentiert hatte. Sie lasen die geheimen Botschaften von Glaspie an die US-Regierung und stellten fest, dass Glaspie den US-Senat grob belog.

Pell and Cranston traten im nationalen Fernsehen auf und nannten Glaspies Aussage betrügerisch und schändlich. Sie versprachen, der Sache auf den Grund zu gehen und richteten gegen Glaspie und ihr Zeugnis vor dem Senat verbale Angriffe. Pell und Cranston kündigten an, dass sie ab September 1991 alles in Bewegung setzen würden für eine gründliche Untersuchung. Mitte Oktober war keine Rede von einer Untersuchung.

Am 11. Oktober 1991 rief ich Senator Cranstons Büro in Washington D.C. an. Als ich über die bevorstehende Untersuchung Fragen stellte, herrschte Schweigen. Nach einer kurzen Pause, wurde mir zögernd gesagt, dass man nichts darüber wüsste und mir wurde der Rat gegeben, mich an das Komitee für Auswärtige Angelegenheiten zu wenden.

Ich befolgte die Empfehlung und rief das Komitee an. Nachdem ich eine kurze Beschreibung von dem Vorfall gegeben hatte, fragte ich: ”Gibt es dazu irgendwelche Informationen?” Die Dame, die nicht ihren Namen nennen wollte, fauchte: ”Nein!” Nach einer kurzen Pause fügte sie knapp hinzu: ”Es war ein Treffen vorgesehen, das aber auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.” Dann legte sie unvermittelt auf.

Irgendwie hat die Administration die einzige verbliebene Chance vertan, die ganze Wahrheit über die Glaspie-Affäre zu erfahren. Die Frage, die niemals öffentlich gestellt und beantwortet wird, lautet: ”Hat April Saddam grünes Licht für die Invasion Kuweits aus Inkompetenz gegeben (d.h. war die arabisch-arabische-Aussage ihre eigene?) oder war sie von der US-Administration angewiesen, das zu sagen?”

April Glaspie ist im besten Fall eine anrüchige Figur. Laut Angaben der US-Administration nahm sie 1992 einen Posten an der San Diego Universität an. Ihre Telefonnummer war angegeben, wurde aber nie beantwortet, wenn ich anrief, und es gab auch keinen Anrufbeantworter.

Im Juni 1993 verwandelte sich das US-Engagement in Somalia von einer ”humanitären” Mission in den Versuch, den kürzlich dämonisierten Mohammed Aidid gefangen zu nehmen. Es gab ein großes Blutvergießen. Kurz vor der öffentlichen Verunglimpfung Aidids wurde Glaspie nach Somalia geschickt. Sie schrieb das neue Drehbuch.

Bald nach dem Somalia-Debakel verschwand Glaspie erneut, um dann im Ruanda-Gebiet aufzutauchen, wo das Abschlachten von einer Million Menschen gerade in Gang kam. Kurz vor ihrem Auftritt in Irak war sie in während des bitteren und blutigen Bürgerkriegs im Libanon stationiert. Ist das Faktum, dass Glaspie immer gerade in den Gebieten auftaucht, wo kurz nach ihrem Debüt Gewalt ausbricht, ein Zufall oder ist es möglicherweise das Präludium der Zerstörung?


* Die Einleitung wurde redaktionell geringfügig um die aktuellen Daten ergänzt.
** Die Passage wurde von der Redaktion kursiv gesetzt: Darin gibt der Autor eine Position wieder, die nicht mit der Auffassung der Redaktion konform geht, weil sie historisch falsch und unhaltbar ist. Wegen der Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Kuweit/Irak-Konflikt, wollten wir den Artikel unseren Lesern jedoch nicht vorenthalten.


Der Artikel erschien im Original unter dem Titel „What did April say “ bei Uruknet am 19. Juli 2009.

Der Autor: Malcom Lagauche ist ein Pseudonym von Jeff Archer, Autor des kürzlich erschienenen Buches ”The Mother of All Battles”.

Übersetzung: Einar Schlereth bei Tlaxcala

Stephen M. Walt Sunday, January 9, 2011 – 2:52 AM Share

I’m generally not inclined to take issue with my FP colleagues, but David Kenner’s recent posting on the WikiLeaks release of a cable recounting Saddam Hussein’s infamous meeting with U.S. ambassador April Glaspie deserves a response.

In an article headlined „Why One U.S. Diplomat Didn’t Cause the Gulf War,“ Kenner argues that the new release shows that Glaspie should not be blamed for the U.S. failure to make a clear deterrent warning to Saddam. And that is what he accuses me and John Mearsheimer (and the Washington Post) of doing. In his words, „the Washington Post described her as ‘the face of American incompetence in Iraq.‘ Stephen Walt and John Mearsheimer piled on in a 2003 article for Foreign Policy, arguing that Glaspie’s remarks unwittingly gave Iraq a green light to invade Kuwait.“

I agree that the WikiLeaks release may exonerate Glaspie for being personally responsible for a diplomatic gaffe, but there are two problems with Kenner’s version of events.

First, we never accused Glaspie of diplomatic incompetence, and we certainly didn’t „pile on.“ Here’s what we actually said in our 2003 piece:

In a now famous interview with the Iraqi leader, U.S. Ambassador April Glaspie told Saddam, ‘[W]e have no opinion on the Arab-Arab conflicts, like your border disagreement with Kuwait.‘ The U.S. State Department had earlier told Saddam that Washington had ‘no special defense or security commitments to Kuwait.‘ The United States may not have intended to give Iraq a green light, but that is effectively what it did.“…

http://walt.foreignpolicom/cy.posts/2011/01/08/wikiileaks_april_glaspie_and_saddam_hussein

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  1. November 6, 2015 um 10:33 am
    berita persebaya

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