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Der Schwindel mit dem Fisch: MSC-Siegel


Alles Show und Geld

 

Der Schwindel mit dem MSC-Siegel

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Dieser blaue MSC-Siegel ist nichts wert. Es wird dem Konsumenten vorgemacht, dass er nachhaltig gefangenen Wildfisch kauft. Aber die Wirklichkeit sieht ganz anderaus.Dieser blaue MSC-Siegel ist nichts wert. Es wird dem Konsumenten vorgemacht, dass er nachhaltig gefangenen Wildfisch kauft. Aber die Wirklichkeit siht ganz anderaus.

Aus tageschau.de

MSC-Überfischung-Siegel

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Dunkle Geschäfte mit dem MSC-Siegel

Der blaue Fisch auf der Verpackung, das MSC-Siegel, steht für nachhaltig gefangenen Wildfisch, der das Ökosystem nicht schädigt. Doch ARD-Recherchen schüren Zweifel daran.

Von Wilfried Huismann, WDR

Das knallrot gestrichene, altersschwache Fischerboot mit dem Namen „STIER II“ tuckert bei Sonnenaufgang aus dem Hafen von Corcubión im spanischen Galizien. Fischer José Luis Rodríguez und seine zwei Arbeiter lassen ihre aus Draht und Holz gebauten Reusen an einem Seil ins Wasser gleiten, aufgereiht wie an einer Perlenschnur.

José Luis Rodríguez

Fischer José Luis Rodríguez kritisiert das MSC-Siegel.

Pro Tag fangen sie nicht mehr als 50 Tintenfische in den Reusen. Davon kann man nicht reich werden, aber drei Familien können von diesem Betrieb leben. Auf ihre umweltschonende Art zu fangen ist José Luis stolz: „Wir haben gar nicht die technischen Möglichkeiten, das Ökosystem des Meeres kaputt zu machen.“

Kein Interesse an Siegel

Beifang hat er so gut wie gar nicht, mal ist eine Krabbe in der Reuse und die werfen sie sofort wieder ins Meer. So stellt man sich nachhaltigen Fischfang vor. Aber Rodríguez hat kein MSC-Siegel und will es auch nicht.

„Der MSC hat uns eingeladen, aber wir wollen das Siegel nicht“, sagt Rodríguez. „Für mich ist der MSC ein Betrug, der den industriellen Fangflotten hilft. Die Verbraucher haben keine Ahnung davon. Sie gehen in den Supermarkt, sehen das MSC-Logo und glauben, es garantiert die Nachhaltigkeit des Produktes. Dabei wissen sie nicht, wie der Fisch gefangen wurde: mit Grundschleppnetzen, Fabrikschiffen oder auf handwerkliche und nachhaltige Art.“

Der blaue Fisch

Der MSC wurde 1997 vom Lebensmittelkonzern Unilever und dem WWF gegründet. Das Ziel damals lautete, die überfischten Meere zu schützen. Mittlerweile ist der MSC das größte Ökosiegel für Wildfisch. Etwa zwölf Prozent des weltweiten Fangs tragen das Siegel. MSC wirbt damit, eine „unabhängige“ und „gemeinnützige“ Organisation zu sein. Aber abgesehen von zwei WWF-Vertretern kommen die meisten der anderen Mitglieder des Treuhandrates, einem Aufsichtsgremium, aus Fisch-und Lebensmittelkonzernen. Der MSC finanziert sich vor allem durch Lizenzeinnahmen. Von jedem verkauften Produkt mit dem blauen Fisch-Logo kassiert er 0,5 Prozent des Nettopreises. Das macht insgesamt etwa 17 Millionen Euro im Jahr.

MSC – offen für alle Fischereien

MSC-Siegel auf einer Packung | Bildquelle: WDR

MSC-Siegel auf einer Packung

Rupert Howes ist der Boss des MSC mit Sitz in London. Die Organisation hat das mehrstöckige Gebäude in bester Lage gekauft. Howes weist die Kritik zurück, die Rodriguez vorbringt: Der MSC müsse für alle Fischereien offen sein: „Wir haben keine vorgefasste Meinung darüber, was nachhaltig ist und was nicht.“

Das Siegel bekomme nur, wer die drei Standards des MSC erfülle: Der Fischbestand darf nicht überfischt werden, es muss ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement geben und das Ökosystem des Meeres soll nicht beschädigt werden. „Wir sollten keine Perfektion erwarten. Wir laden alle Fischereien ein, mitzumachen – und dann können wir gemeinsam die Probleme lösen, die sie haben.“

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Der Schwindel mit dem MSC-Siegel

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Dieser blaue MSC-Siegel ist nichts wert. Es wird dem Konsumenten vorgemacht, dass er nachhaltig gefangenen Wildfisch kauft. Aber die Wirklichkeit sieht ganz anderaus.Dieser blaue MSC-Siegel ist nichts wert. Es wird dem Konsumenten vorgemacht, dass er nachhaltig gefangenen Wildfisch kauft. Aber die Wirklichkeit siht ganz anderaus.

Aus tageschau.de

MSC-Überfischung-Siegel

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Dunkle Geschäfte mit dem MSC-Siegel

Der blaue Fisch auf der Verpackung, das MSC-Siegel, steht für nachhaltig gefangenen Wildfisch, der das Ökosystem nicht schädigt. Doch ARD-Recherchen schüren Zweifel daran.

Von Wilfried Huismann, WDR

Das knallrot gestrichene, altersschwache Fischerboot mit dem Namen „STIER II“ tuckert bei Sonnenaufgang aus dem Hafen von Corcubión im spanischen Galizien. Fischer José Luis Rodríguez und seine zwei Arbeiter lassen ihre aus Draht und Holz gebauten Reusen an einem Seil ins Wasser gleiten, aufgereiht wie an einer Perlenschnur.

José Luis Rodríguez

Fischer José Luis Rodríguez kritisiert das MSC-Siegel.

Pro Tag fangen sie nicht mehr als 50 Tintenfische in den Reusen. Davon kann man nicht reich werden, aber drei Familien können von diesem Betrieb leben. Auf ihre umweltschonende Art zu fangen ist José Luis stolz: „Wir haben gar nicht die technischen Möglichkeiten, das Ökosystem des Meeres kaputt zu machen.“

Kein Interesse an Siegel

Beifang hat er so gut wie gar nicht, mal ist eine Krabbe in der Reuse und die werfen sie sofort wieder ins Meer. So stellt man sich nachhaltigen Fischfang vor. Aber Rodríguez hat kein MSC-Siegel und will es auch nicht.

„Der MSC hat uns eingeladen, aber wir wollen das Siegel nicht“, sagt Rodríguez. „Für mich ist der MSC ein Betrug, der den industriellen Fangflotten hilft. Die Verbraucher haben keine Ahnung davon. Sie gehen in den Supermarkt, sehen das MSC-Logo und glauben, es garantiert die Nachhaltigkeit des Produktes. Dabei wissen sie nicht, wie der Fisch gefangen wurde: mit Grundschleppnetzen, Fabrikschiffen oder auf handwerkliche und nachhaltige Art.“

Der blaue Fisch

Der MSC wurde 1997 vom Lebensmittelkonzern Unilever und dem WWF gegründet. Das Ziel damals lautete, die überfischten Meere zu schützen. Mittlerweile ist der MSC das größte Ökosiegel für Wildfisch. Etwa zwölf Prozent des weltweiten Fangs tragen das Siegel. MSC wirbt damit, eine „unabhängige“ und „gemeinnützige“ Organisation zu sein. Aber abgesehen von zwei WWF-Vertretern kommen die meisten der anderen Mitglieder des Treuhandrates, einem Aufsichtsgremium, aus Fisch-und Lebensmittelkonzernen. Der MSC finanziert sich vor allem durch Lizenzeinnahmen. Von jedem verkauften Produkt mit dem blauen Fisch-Logo kassiert er 0,5 Prozent des Nettopreises. Das macht insgesamt etwa 17 Millionen Euro im Jahr.

MSC – offen für alle Fischereien

MSC-Siegel auf einer Packung | Bildquelle: WDR

MSC-Siegel auf einer Packung

Rupert Howes ist der Boss des MSC mit Sitz in London. Die Organisation hat das mehrstöckige Gebäude in bester Lage gekauft. Howes weist die Kritik zurück, die Rodriguez vorbringt: Der MSC müsse für alle Fischereien offen sein: „Wir haben keine vorgefasste Meinung darüber, was nachhaltig ist und was nicht.“

Das Siegel bekomme nur, wer die drei Standards des MSC erfülle: Der Fischbestand darf nicht überfischt werden, es muss ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement geben und das Ökosystem des Meeres soll nicht beschädigt werden. „Wir sollten keine Perfektion erwarten. Wir laden alle Fischereien ein, mitzumachen – und dann können wir gemeinsam die Probleme lösen, die sie haben.“

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Der Schwindel mit dem MSC-Siegel

Granatbarsch: Ikone aus der Tiefe

Granat- oder Kaiserbarsch bzw. Orange roughy (Hoplostethus atlanticus), hier im Melbourne Museum. Bild Pengo / CC-BY-SA-3.0

Im Zwielicht der Tiefe – Teil 1

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Zertifiziert vom MSC: Nachhaltig gefangener Granatbarsch aus Neuseeland?

Ähnliche Probleme gab es auch in Neuseeland, doch der Inselstaat gilt heute als Pionier in der Granatbarsch-Fischerei, 80% des weltweiten Fangs kommen von hier. Die intensive Befischung der 1980er und 1990er Jahre hatte die sieben neuseeländischen Bestände auf stellenweise weniger als 10% ihrer Originalgröße ausgedünnt. Anfang der 1990er Jahre wurde schnell klar, dass der Granatbarsch weit weniger produktiv ist, als zunächst angenommen worden war. Die Meereswissenschaftler mussten ihre Bestandsschätzungen nach unten korrigieren. Fangbeschränkungen und Totalverbote halfen bei der Erholung – so war Mitte der 1990er Jahre die jährlich erlaubte Fangmenge von 65.000 auf 25.000 Tonnen abgesenkt worden, um das Jahr 2000 waren es noch 17.000 Tonnen.

Rekonstruierte Granatbarsch-Fänge weltweit. Schwarze Linie: offiziell gemeldete Fänge. Bild: Sea around us

Die Deepwater Group, eine Lobbygruppe, die die Tiefsee-Fischereiindustrie Neuseelands vertritt, hatte zudem eine Zertifizierung der Granatbarsch-Fischerei nach den Nachhaltigkeits-Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) angestoßen.

Die neuseeländische Industrie ihrerseits investierte auf dem Weg dahin in eine ausgefeilte Ausrüstung zur hydroakustischen Bestandsaufnahme, die verschiedene Fischarten in Unterwassergemeinschaften auseinanderhalten kann. In Kombination mit Videoübertragungen per Glasfaserkabel kann nun an Bord in Echtzeit gesehen werden, welche Fische genau beprobt werden. Mit den daraus abgeleiteten neuen Bestandsschätzungen entwickelten Meeresbiologen neue Wege, um die Dynamik von Granatbarsch-Populationen genauer modellieren und vorhersagen zu können. In der Folge wurden die Fanggrenzen auf etwa 4% der Bestandsgröße festgelegt, verglichen mit den 15-20% der Jahre zuvor.

Die Bestände sind seither wieder auf etwa 40% ihrer natürlichen Größe angestiegen. Für Fischereimanager liegen sie damit im grünen Bereich, bei dem ein Bestand langlebiger Fische mit vielen erwachsenen Tieren im fortpflanzungsfähigen Alter am produktivsten ist und einen maximal nachhaltigen Ertrag generiert.

Die Granatbarsch-Fischereien Neuseelands fangen jährlich jetzt zwischen 6.000 bis 7.000 Tonnen, mit einem Exportwert von über 33 Millionen US-Dollar. Seit Dezember 2016 sind rund 60% des Gesamtfangs mit dem Nachhaltigkeitssiegel des MSC versehen. Der Granatbarsch, einst ein Symbol für schlechtes Fischereimanagement, soll mit der MSC-Zertifizierung ein Aushängeschild für gutes Fischereimanagement werden. Bis zu welchem Grade die ergriffenen Maßnahmen den Bestand stabilisieren können, ist unter Meeresbiologen und Umweltschützern bis heute umstritten.

Die industrielle Befischung von Oreosomatidae oder kurz Oreos, zu denen der hier abgebildete Neocyttus helgae gehört, nahm Ende der 1970er Jahre an Fahrt auf. Bild: NOAA Photo Library, gemeinfrei

Der Granatbarsch ist nicht die einzige Art aus der Tiefe, die erst in jüngerer Zeit auf den menschlichen Speiseplan geriet und deren Konsum nun zusätzlich als nachhaltig abgesegnet wurde. Da wäre zum Beispiel der Neuseeländische Hoki (Macruronus novaezelandiae) zu nennen, von dem in Deutschland 2017 immerhin 8.400 Tonnen konsumiert wurden. Die MSC-Zertifizierung ist bereits von Umweltschutzgruppen kritisiert worden. Beim MSC hält man dagegen, dass sich der Bestand der betreffenden Hoki-Populationen seit der Zertifizierung im Jahre 2001 bis 2014 verdoppelt habe.

Zunehmend gerät das Geschäftsmodell des MSC in den Fokus der Kritik, doch die Zertifizierer präsentieren davon unbeeindruckt immer neue Arten aus der Tiefe, deren Fang sich als nachhaltig einstufen und damit besser vermarkten lässt, wie etwa 2017, als erstmalig Fischereien auf Atlantischen Rotbarsch (Sebastes fasciatus) und Schwarzen Heilbutt (Reinhardtius hippoglossoides) das MSC-Siegel angeheftet wurde.

Cover

https://www.heise.de/tp/features/Granatbarsch-Ikone-aus-der-Tiefe-4298175.html

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